Bemerkenswert

Unser Traum

Sie wollen eigentlich mit ihrem Segelflugzeug fliegen, weil das Wetter besonders gute Thermik verspricht. Dummerweise ist während der Woche aber niemand da, der sie hochziehen könnte. Am Wochenende ist schon wieder mieses Wetter angesagt. Wie wäre es, wenn sie einen Motorseler zur Verfügung hätten, den Sie selbst aufbauen könnten und der keinen Hallenplatz benötigt? Mit dem sie auch starten könnten, wenn an ihrem Platz keine Verbrennungsmotoren zugelassen sind?

Das war unser Traum und so haben wir Birdy (Vögelchen) entwickelt. Es handelt sich hierbei um einen einsitzigen, elektrisch angetriebenen Motorsegler mit sehr hoher aerodynamischer Güte, der die Anforderungen der 120-kg Klasse erfüllt. Das Birdy-Konzept beruht auf der Initiative von erfahrenen DVLL-Mitgliedern und soll beweisen, dass trotz des auf 120kg limitierten Leergewichts ein praxistaugliches, leicht und bequem zu fliegendes Flugzeug mit sehr hoher Segel- und Reiseflugleistung machbar ist. In Verbindung mit einem optionalen Anhänger mit Photovoltaik-Modulen benötigt Birdy außer einem Start- und Landefeld keine sonstige Infrastruktur oder Hilfspersonal.

Beim Electrifly-In Grenchen

Birdy hatte seinen ersten offiziellen Auftritt am 12. und 13. September 2020 beim vierten electrifly Symposium in Grenchen. Toni Roth flog am Samstag die 184km von Mengen direkt dorthin. Zur Sicherheit waren vier 3kWh Akkupacks in den Birdy eingebaut worden, da am Ende aber noch 30% Restkapazität vorhanden waren, wäre die Strecke auch locker mit 3 Akkus zu fliegen gewesen. Und hierbei hatte Toni nicht auf energieeffizientes Fliegen geachtet, sondern wollte möglichst schnell dorthin gelangen. Die Strecke reichte für den dritten Platz bei der electrifly Trophy (erster und zweiter Platz waren zwei Antares, einer davon besetzt mit Weltmeister Klaus Ohlmann…)

Impressionen von der Flugerprobung

Ab Mitte August befinden wir uns in der Flugerprobung. Diese fand zuerst auf dem Flugplatz Mengen-Hohentengen statt, wurde dann in Bad Waldsee fortgesetzt. Hier wurde z.B. ein dritter Akkupack eingebaut, um den Anforderungen der Flugerprobung Rechnung zu tragen. Mit ihm können pro Tag genügend viele Starts geflogen werden. Die berechneten Parameter für Birdy, wie etwa die Gleitzahl von 40 scheinen erreicht zu werden, dies wurde im Vergleichsflug mit einer DG-400 bestimmt. Hier ein paar Eindrücke von der Flugerprobung:

Birdy fliegt!

Am 7. August 2020 hat Birdy mit unserem Piloten Günther Spitzer erfolgreich seinen Erstflug absolviert. Die Flugeigenschaften des Prototypen wurden von Günther als sehr gut beschrieben, das Seitenruder muss noch etwas vergrößert werden und beim Elektroantrieb gibt es Vibrationen, die bei manchen Lasteinstellungen stören. ABER: Birdy fliegt und in den nächsten Wochen kann die Flugerprobung durchgeführt werden, bei der alle wichtigen Flugparameter erflogen werden. Dabei wird uns Hans-Peter Schneider helfen, der für Flugerprobungen einen Spezialcomputer entwickelt hat.

Erstflug Birdy am 7. August 2020

Belastungstest

Am 12. Mai 2020 haben wir die offiziellen statischen Belastungstests unter Anwesenheit eines Prüfers begonnen. Hierbei wurde eine Reihe von Messungen durchgeführt, um die Widerstandsfähigkeit des Prototypen gegen definierte statische Kräfte zu messen und zu belegen.

Belastungstest für die Flügel mit einer Gesamtlast von über 1000kg

Die Tests sind bis auf einige Details soweit erfolgreich verlaufen, dass wir mit der Flugerprobung bald beginnen können. Zuvor muss noch eine Ausstoßsimulation für das Gesamtrettungssystem durchgeführt werden sowie Motor, Haube sowie Instrumente eingebaut werden.

Der Prototyp

Auf der Basis des CAD-Modells entwickelte Klenhart-Design den ersten Birdy-Prototyp. Sechs NC-Formen wurden gefräst, laminiert, geschliffen und poliert. Daraus konnten die ersten Bauteile entstanden.

Form für die Birdy-Kabine

Am 7. April 2019 fand schließlich die Hochzeit statt, die Flügel passten auf Anhieb an den Rumpf und der Prototyp nahm endlich konkrete Formen an:

Hochzeit des Prototypen

So konnten wir den noch taufrischen Prototyp auf der AERO 2019 dem Publikum vorstellen. Er erhielt viel Aufmerksamkeit, eine Reihe von Interessenten trug sich in die ausliegenden Listen ein.

Birdy-Prototyp auf der AERO 2019

Birdy

Birdy ist als leichter, einfach zu fliegender, elektrisch angetriebener 120kg Motorsegler mit sehr guten Segeleigenschaften gedacht, der von den Mitgliedern des DVLL als Bausatz oder später als Fertigflugzeug erworben werden kann. Mit einem optionalen Anhänger sollte es Birdy ermöglichen, individuell und unabhängig auf jedem Startplatz zu starten, per Motor eine gute Ausgangshöhe zu erreichen und nach dem Segelflug in jedem Fall auch wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren – oder einfach ein gemütliches Luftwandern zu ermöglichen.

Die Idee des Bird: klein, effizient, leicht zu fliegen, aufrechte Sitzposition, dennoch Gleitzahl 1:40

Das Konzept

Die Idee war, Birdy zunächst als Bausatz mit abgeschlossener Musterprüfung anzubieten, um die finanziellen Einstiegsbarrieren und das Risiko für eine Zulassung möglichst niedrig zu halten. Die Montage aus den gelieferten Bauteilen sollte relativ einfach und risikoarm sein, da alle für die Flugsicherheit relevanten Arbeitsgänge, insbesondere die Verklebung der Flügel und der Rumpfhälften, bereits erledigt sind. Der DVLL will zusätzlich Aufbaukurse anbieten, um auch weniger erfahrenen Interessenten den Bau des Flugzeugs zu ermöglichen. Ebenso kann eine baubegleitende Bau- und Stückprüfung auf Anforderung durch den jeweiligen Erbauer organisiert werden.

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